Am 23. Juli lud ich zu mir ins Atelier zum Kamingespräch mit dem Thema „Politik und Religion – eine Scheinheilige Welt. Ehrengast an diesem Abend war Herr Dr. Reza Hajatpour, sowie weitere, 11 geladenen Herren.
Hier nun die Zusammenfassung von Herr Hajatpour zum Abend:
Die Religion in ihrer Struktur und mit ihrem missionarischen Charakter ist immer öffentlich und kann daher nicht unpolitisch sein. Ein Beispiel ist der Islam in Iran, aber auch die Einmischung der Kirche was z. B. Kreuze in Schulen und Fragen der Bioethik anbelangt. Solange die Religion eine öffentliche, politische und organisierte Funktion hat, befindet sie sich im Widerspruch zur Moderne. Denn durch ihren alleinigen Wahrheitsanspruch widerspricht sie der Idee der Freiheit
2) durch ihren Anspruch darauf, dass ihre Gemeinschaft die Einzige ist, die auserwählt ist, widerspricht sie der Idee der Gerechtigkeit und der Anerkennung aller Menschen.
3) durch ihren Anspruch auf das Auserwähltsein klammert sie andere Völker und Kulturen aus und selektiert die Solidarität miteinander. Das widerspricht der Idee der Solidarität innerhalb der Menschheit.
„Das Prinzip der modernen Welt fordert“, wie F. W. Hegel sagt, „dass, was Jeder anerkennen soll, sich ihm als ein Berechtigtes zeige. Außerdem will jeder noch mitgesprochen und mitgeraten haben.“ Eine Welt, die das Andere und Unvollkommene ignoriert und ausschließt, zeigt, dass sie das Prinzip der Anerkennung und der gegenseitigen Toleranz verachtet.
Nur, wenn die Religion eine Religion für die Menschen wird und den Humanismus und die gegenseitige Bereicherung fördert, wenn sie das Andere anerkennt und die persönlichen Erfahrungen respektiert, dann haben wir es mit einer Vorstellung zu tun, die sich jenseits einer Politik der Diskriminierung orientiert. Sie ist gerichtet auf eine kosmopolitische Zone, auf eine Ebene der Welterfahrung und Selbsterfahrung. Sie ist in einem Sinne eine Religion der zivilen Gesellschaft und im weiteren Sinne eine Religion des Gefühls und der persönlichen Selbstentfaltung. In dieser Wertevorstellung entfernt der Menschen sich nicht von sich selbst, sondern verbindet sich mit den Anderen. Sie ist damit eine Religion der Liebe, eine Religion der Differenzen und eine Religion der Menschheit.
Unser Kamingespräch hat gezeigt, dass die Menschen trotz ihrer Unterschiedlichkeit eine Harmonie der Differenzen bilden können, so wie ein Orchester die unterschiedlichen Klänge und musikalische Aspekte als harmonische Körperschaft herauskristallisiert. Von Reza Hajatpour